Fotos: S. Heinze
Projekt der Kirchenkreispartnerschaft Burgdorf – Johannesburg/West. Foto: Stefan Heinze

Aus Beispielen lernen

Welche Projekte haben Sie in Ihren Partnerschaften? Wir stellen Ihnen Projekte vor und beleuchten die Chancen, aber auch die Risiken dabei, wenn es um Geld geht.

Zahlreiche Partnerschaftsgruppen investieren viel Zeit und Energie in die Sammlung von Spenden zur Unterstützung der Partner und Partnerinnen in Afrika, Asien, Lateinamerika oder Osteuropa. Das tun sie in guter Absicht der christlichen Tradition folgend, denn Paulus hat es vorgemacht! Dem materiellen Mangel der Schwestern und Brüder in Jerusalem musste entschieden begegnet werden und so kam es, dass die Gemeinden in Mazedonien und Achaja von ihrem Reichtum abgaben, um die Gemeinde in Jerusalem zu unterstützen.

Das klingt plausibel und kann Partnerschaften als gutes Beispiel dienen – oder etwa nicht?

Statt des reinen Geldtransfers, wie es zu Zeiten Paulus gang und gäbe war, geschieht die Unterstützung in Partnerschaften mit anderen Kirchenkreisen und Kirchengemeinden in der Welt heute meist in Form der Finanzierung gemeinsamer Projekte.

Denn gemeinsame Projektarbeit stärkt die Partnerschaftsbeziehung und ist ein gemeinsames entwicklungspolitisches Lernfeld. Projekte verbessern zudem die Lebensverhältnisse im Globalen Süden. Und ein Projekt zu fördern, ist die spürbare Umsetzung der empfundenen Solidarität.

Ganz gleich, welche Art von Projekt (Bildung, Gesundheit, Frauenstärkung, ökologische Landwirtschaft, Menschenrechte, Klimaprojekte etc.) realisiert wird, in welchem Land es umgesetzt wird und wer daran beteiligt ist: Nicht zuletzt wegen der Finanzen ist Projektarbeit eine Herausforderung, die Veränderung auf unterschiedlichen Ebenen nach sich zieht und Ressourcen bindet.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass nicht nur bei der Projektplanung, sondern auch bei der Begleitung des komplexen Prozesses der Unterstützung dem Thema Finanzen ausreichend Raum eingeräumt wird.

Dazu zählen folgende Aspekte:

Rollenklärung

„Wenn du schnell reisen willst, dann geh allein, wenn du weit reisen möchtest, dann nimm jemanden mit“, sagt ein afrikanisches Sprichwort.

Klassischerweise wird ein Partnerschaftsprojekt gemeinsam von den Partnern im Süden und Norden geplant und umgesetzt. In diesem Zusammenhang wird oft das Bild von „Partnerschaft auf Augenhöhe“ bemüht. Aber trifft das Bild noch zu, wenn die finanzielle Unterstützung zu einem Großteil aus dem Norden in den Süden fließen? Haben wir darüber gemeinsam offen und selbstkritisch reflektiert? Und bedeutet das gemeinsame Planen auch, dass wir alle mitnehmen, die von dem Projekt profitieren sollen, insbesondere die Zielgruppe? Haben wir uns gefragt, wer uns das Mandat erteilt hat, das zu tun, was wir tun?
 

Projektkommunikation

Durch das Projekt gehen Partnerschaftsgruppen eine „Geschäftsbeziehung“ ein, bei der Geldmittel von Nord nach Süd fließen. Dadurch betreten sie eine neue Ebene der Kommunikation: Basierte die Beziehung bislang auf gegenseitigem Vertrauen, begeben sich die Partner nun zusätzlich auf eine formelle bzw. geschäftliche Ebene, die gegenseitige Rechenschaftslegung verlangt. Die Erfahrung zeigt, dass diese Veränderung mittelfristig einen positiven Einfluss auf die Kommunikation hat, weil es u. a. im partnerschaftlichen Miteinander selbstverständlicher wird, Angelegenheiten offen anzusprechen.
 

Wahrnehmung von Konflikten

Gutes tun, ohne Schaden anzurichten, klingt selbstverständlich, bei der Projektarbeit ist es das aber nicht immer. Durch ein Projekt, das wir vorhaben, können wir zum Beispiel bestehende Rivalitäten zwischen Menschen verschiedener Religionszugehörigkeiten verstärken oder ungerechte Strukturen manifestieren. In diesem Fall würden wir durch das Projekt eher schaden. Durch eine genaue Situationsanalyse im Projektumfeld lassen sich solche Konflikte im Vorfeld identifizieren und damit meist auch vermeiden.
 

Nehmen Sie sich Zeit

„Mais wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ sagt uns ein afrikanisches Sprichwort.

Wie auch immer die Bedingungen sind, unter denen das Projekt entsteht, nehmen Sie sich Zeit zum gemeinsamen Planen. Hierbei können Monate vergehen, manchmal sogar Jahre. Das mag als vertane Zeit erscheinen, hat auf das Projekt und seine Wirkung aber meist einen positiven Einfluss.
 

Planungsschritte

Wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen werden soll, ist es essenziell alle Planungsschritte gründlich zu durchlaufen:

1. Projektidee
2. Situationsanalyse
3. Entscheidung über das Ziel
4. Ressourcen identifizieren
5. Planung der Strategie und Umsetzung
6. Monitoring- und Evaluationsprozessplanung
7. Durchführung
8. Wirkungsanalyse
 

Abschließende Fragestellungen vor der Durchführung eines Projektes:

  • Wollen wir das, was wir geplant und abgesprochen haben, tatsächlich? 
  • Stimmt es mit unserer Ausgangsüberlegung überein?
  • Wollen wir die Veränderung – auch in der Partnerschaftsbeziehung – die das Projekt mit sich bringen wird?
  • Was würde passieren, wenn das Projekt nicht realisiert würde?
  • Wie viel Zeit, Finanzen und Kraft bindet das Projekt für uns und unsere Partner?
  • Was können wir in dieser Zeit nicht tun oder finanzieren?
  • Haben wir klar formulierte Ziele und Maßnahmen?
  • Sind unsere Pläne realisierbar?
  • Ist geklärt, wie das Projekt begleitet und ausgewertet wird?
  • Haben wir ein gutes Gefühl bei unserem Vorhaben?

Wenn sich diese Fragen nicht befriedigend beantworten lassen und ernsthafte Zweifel am Projektvorhaben bleiben, besteht nun die letzte Möglichkeit, das Projekt zu verschieben, neu zu reflektieren, es abzubrechen oder sich auch gegen ein Projekt zu entscheiden.

Auch dafür gibt es gute Gründe:

Projekte, die vom Globalen Norden finanziert werden, schaffen neue Abhängigkeiten und behindern Eigeninitiative, manifestieren eine Geber-Nehmermentalität und können von Gönnerhaftigkeit der Nordpartner motiviert sein.

Müssten wir nicht vielmehr die grundsätzliche Überlegung anstellen, ob die Finanzierung von Partnerschaftsprojekten im Globalen Süden eine Frage der Gerechtigkeit statt der Hilfsbereitschaft ist?  Was würde das verändern?

Andrea Schirmer-Müller

Vorsitzende Partnerschaftsarbeit im Ev.- luth. Kirchenkreis Bremervörde-Zeven

 

Klicken Sie hier, um den Text als Download zu erhalten

Assymetries of Money and Interests

Dr. Fidon R. Mwombeki, geboren 1960, ist ein tansanischer evangelischer Pfarrer, der u. a. von 2006 bis 2015 Generalsekretär der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) in Wuppertal war. Seit dem Jahr 2018 ist er der  Generalsekretär der All Africa Conference of Churches mit Sitz in Nairobi. In diesem Video berichtet er über das Ungleichgewicht von Geld und Interessen in Partnerschaften.

Gekürzte deutsche Übersetzung zum Download. >